TIM DAVIS

Ehe wir die Umweltbelastung von Textilfasern untersuchten, hielten wir Baumwolle als pflanzliche Faser für „rein“ und „natürlich“. Das stimmt aber nur für die Pflanze an sich. Konventionell erzeugte Baumwolle hingegen ist alles andere als rein oder natürlich. Das zeigte sich, als wir Anfang der 1990er Jahre unsere Baumwoll-Lieferkette genauer unter die Lupe nahmen. Damals wurden in den USA 10% aller Agro-Chemikalien für den Baumwoll-Anbau eingesetzt, obwohl er nur ein Prozent der Anbaufläche ausmachte. Allein in Kalifornien wird konventionell erzeugte Baumwolle jedes Jahr mit über 3000 Tonnen Chemikalien behandelt. Dabei hat die Forschung gezeigt, dass der extensive und intensive Einsatz von Kunstdüngern, Bodenzusätzen, Entlaubungsmitteln und anderen Chemikalien verheerende Auswirkungen auf Boden, Wasser, Luft und zahllose Lebewesen hat.

Wir haben aber auch entdeckt, dass es eine Alternative gibt: biologisch angebaute Baumwolle. Einige Landwirte bauen Baumwolle schon seit Jahren ohne schädliche Chemikalien an. Die Erträge sind hoch und die Qualität ist gleich gut oder besser als die konventionell erzeugter Baumwolle. Ihre Anbaumethoden fördern Artenvielfalt und gesunde Ökosysteme, verbessern die Bodenqualität und verbrauchen meist weniger Wasser. Allerdings erfordert der biologische Anbau mehr Zeit, Wissen und Können und ist daher bislang teurer. Aber es lohnt sich.

Nach dieser Erkenntnis und angespornt durch Ratschläge unserer Öko-Freunde gab es für Patagonia keinen anderen Weg. Seit 1996 fertigen wir unsere Baumwoll-Produkte nur noch aus Bio-Baumwolle. Diese Entscheidung barg ein beträchtliches finanzielles Risiko, aber wir waren entschlossen, keinesfalls zu konventioneller Baumwolle zurückzukehren – egal, wie das Projekt ausgehen würde.

Es zeigte sich rasch, dass die Qualität durch diesen Schritt nicht beeinträchtigt wurde. Und unsere Einstellung zur Landwirtschaft hat sich seither grundlegend gewandelt. Durch das Bio-Baumwolle-Programm haben Hunderte unserer Mitarbeiter die Plantagen besichtigt und selbst erlebt, wie schädlich Pestizide sind und wie viel besser der biologische Anbau ist. Viele von uns kaufen seither Kleidung und Lebensmittel aus biologischem Anbau.

Auf den ersten Blick ist konventionell angebaute Baumwolle kaum von Bio-Baumwolle zu unterscheiden. Um sicher zu sein, dass uns Bio-Baumwolle geliefert wird, verlangen wir von unabhängiger Seite ausgestellte Zertifikate gemäß den Richtlinien, die das US-Landwirtschaftsministerium im National Organic Program festgelegt hat. Diese Zertifikate erhalten Bio-Bauern, Firmen, die biologische getrennt von konventioneller Baumwolle verarbeiten, und Spediteure, die Bio-Baumwolle zwischen den Unternehmen der Lieferkette transportieren.