Oceans as Wilderness

"Fünfzig Millionen Büffel durchstreiften einst die grünen, hügeligen Weiten Nordamerikas. Mittlerweile wurden sie von Jägern nahezu ausgerottet. Nun treiben diese Jäger ihr Unwesen auch in den blauen Weiten der Meere, so dass bereits 90 Prozent der Hochseefische – darunter auch so einzigartige Exemplare wie der 500 Kilogramm schwere, warmblütige Blauflossenthunfisch – verschwunden sind. Was an Land passiert ist und was wir auf das Äußerste bedauern, könnte sich in den Meeren wiederholen. Wer sich für wild lebende Tiere interessiert, sollte mehr über unsere Ozeane erfahren." – Carl Safina, "Comes a Turtle, Comes the World," Patagonia Winter-Katalog 2006

An Land konnten wir einst sehen, was unberührte Natur bedeutete. Stellen Sie sich das vor: 50 Millionen Büffel. Scharen von Wandertauben verdunkelten die Sonne. Ein spanischer Forscher, der die Küste Kaliforniens hinaufsegelte, beschrieb einen Strand mit Spuren von Grizzlybären, die sich über Wal-Kadaver hergemacht hatten. Mittlerweile sind diese gewaltigen Bestände deutlich reduziert oder gar ausgerottet. Nur ein Rest erinnert uns daran, was einst war, die Tiere und das Land, das wir im Glauben an unerschöpfliche Vorräte zerstört haben. Wir schützen sie mit Hilfe des Artenschutzabkommens, Wildnisgebieten und Jagd- und Fischereigesetzen. Schlussendlich haben wir gelernt, dass wir nicht umhin kommen, das zu tun.

Und nun also das Meer: Im US-Bundesstaat Maine wurde Hummer früher einfach mit einem Haken aus dem seichten Wasser nahe des Ufers herausgefischt. Die Kabeljau-Bestände waren so groß und die Fische so einfach zu fangen, dass sich die Häftlinge (angeblich) beschwerten, weil ihnen der Fisch wöchentlich zu häufig vorgesetzt wurde. Einmal schwammen die Lachse bei ihrer Rückkehr aus dem Meer in solch großer Zahl die Flüsse hinauf, dass die Leute Geschichten erzählt haben, wie sie auf deren Rücken laufen konnten. Überall gab es Marline, Schwertfische, Makos, Blauflossenthunfische, Seeohren im Überfluss.


Wir müssen lernen zu sehen, was unter der Wasseroberfläche verborgen ist, denn die Fischbestände gehen dramatisch zurück und die Ozeane sind in Gefahr. Zahlreiche neue Studien, darunter die der Pew Oceans Commission (2003), kamen zu den gleichen Schlussfolgerungen: Hochseefische, wie beispielsweise der 500 Kilogramm schwere Thunfisch, sind zu 90 Prozent ausgerottet. Neufundland-Kabeljau, wilde Seeohren, Weißer Heilbutt und chilenischer Wolfsbarsch sind selten, fast so, als ob es sie nicht mehr gibt. Die Bestände der sich fortpflanzenden Schwertfische haben sich halbiert; Marline sind selten. Pelikane im Golf von Kalifornien verhungern, weil sie nicht mehr genug Fische zum Fressen finden.

Korallenriffe zerbröckeln und der Meeresgrund wird von Schleppnetzen umgepflügt. Plastik tötet Seevögel und man findet es an den Stränden der abgeschiedensten Inseln dieser Welt. Surfer, Schwimmer und Strandwächter werden jedes Jahr ganz selbstverständlich gegen Hepatitis geimpft. Thunfisch und Schwertfisch enthalten so große Mengen an Methylquecksilber, dass deren Verzehr für Schwangere und Kinder gefährlich ist. Gründe dafür gibt es viele, aber im Kern liegt es an folgenden drei Übeln: keine nachhaltigen Fischereimethoden, Zerstörung von Lebensraum und Wasserverschmutzung.