ROB NAUGHTER

Fakten zum Thema Daune

6. November 2013

Patagonia verwendet nur noch 100% Daune mit Herkunftsnachweis

Die Outdoorfirma Patagonia gibt bekannt, dass sie ab der Saison Herbst/Winter 2014 ihre gesamte Daunenkollektion zu 100% auf Daune mit Herkunftsnachweis ( Traceable Down) umstellen wird. Patagonia Daune mit Herkunftsnachweis stammt von Tieren, die weder für die Foie gras Produktion zwangsgefüttert noch jemals lebend gerupft wurden. Der im Laufe von sechs Jahren entwickelte Patagonia Standard für Daune mit Herkunftsnachweis bietet die sichere Gewähr für eine artgerechte Tierhaltung…Hier finden Sie die vollständige Pressemitteilung.

Patagonia Daune mit Herkunftsnachweis stammt nachweisbar weder von lebend gerupften noch von zwangsgefütterten Gänsen

Seit Frühjahr 2013 verarbeiten wir Daune mit Herkunftsnachweis (lückenlose Rückverfolgung der Daunen-Lieferkette) in unseren Ultralight Down Produkten. Sie stammt von weißen Gänsen, die weder für die Foie gras Erzeugung zwangsgefüttert noch lebend gerupft wurden. Außerdem gewährleistet Patagonia Daune mit Herkunftsnachweis eine artgerechte Tierhaltung. Das Angebot an Modellen aus Daune mit Herkunftsnachweis soll jede Saison ausgebaut werden.

Unsere Bemühungen um einen Herkunftsnachweis für Patagonia Daune reichen weit über schriftliche Garantien, Selbstbescheinigungen oder partielle Audits hinaus. Wir verifizieren die Produktkette für weiße Gänsedaune mit unserer neu entwickelten, umfassenden Herkunftsprüfung, zu der direkte Inspektionen der Lieferkette, von der Gänsefarm bis zur Bekleidungsfabrik, Befragungen der Mitarbeiter und Kontrollen sämtlicher Dokumente gehören. Die Prüfung wird von einem unabhängigen Experten für Herkunftskontrollen durchgeführt.

Für viele unserer Daunenprodukte verwenden wir noch graue Gänsedaune, doch wir arbeiten daran, ganz auf Patagonia Daune mit Herkunftsnachweis umzustellen. Unsere graue Daune stammt von Gänsen, die nicht lebend gerupft, aber zur Erzeugung von Foie gras zwangsgefüttert wurden.

Im Weiteren erfahren Sie mehr über die Gewinnung von Daune und die Herstellung von Daunenprodukten. Außerdem finden Sie eine Chronologie unserer Initiativen zur Kontrolle der Daunen-Lieferkette, unserer Beobachtungen und Probleme sowie unserer Schritte für eine bestmögliche, langfristige Lösung.

Patagonia Daune

Für unsere Isolierkleidung verwenden wir Gänsedaune wegen ihrer exzellenten Eigenschaften. Daunen haben ein höheres Wärme-Gewicht-Verhältnis als synthetische Isolierungen und sind enger komprimierbar. Je höher die Daunenqualität, desto effizienter ist die Isolierung. Um den vielfältigen Ansprüchen unserer Kunden gerecht zu werden, bieten wir auch Kleidung mit synthetischer Isolierung in verschiedenen Füllstärken, Qualitäten und Modellen.

Bei der Herstellung von Daunenkleidung gibt es zwei Probleme. Erstens müssen die Arbeiter beim Nähen und Füllen besonders geschützt werden. Die Räume, in denen die Daune verarbeitet wird, müssen luftdicht abgeschlossen sein und die Arbeiter müssen Schutzmasken tragen, um die Fasern nicht einzuatmen. Gemeinsam mit unseren Herstellern haben wir optimale Arbeitsbedingungen geschaffen und dafür eine spezielle Checkliste für Sicherheits- und Gesundheitskontrollen entwickelt.

Schwieriger zu kontrollieren, ist die Behandlung der Gänse. Das Rupfen lebender Gänse vor der Mauser soll für die Tiere etwa so schmerzhaft sein, wie wenn man uns Haare ausreißt. Ebenfalls umstritten ist die Zwangsfütterung zur Gewinnung von Foie gras.

Chronologie unserer Maßnahmen

2002
Wir nehmen Daunenkleidung in die Patagonia-Kollektion auf, prüfen aber noch nicht, woher unsere Gänsedaune stammt.

2007
Im Zuge einer Umweltverträglichkeitsprüfung unserer Materialien befassen wir uns auch mit der Daune. Dabei stellen wir fest, dass Mastgeflügel generell (nicht nur Gänse) weltweit unter unwürdigen Bedingungen gehalten wird. Dazu gehören u.a. Käfighaltung, Schnabelkürzung, Zwangsfütterung und auf der Umweltseite die Verschmutzung von Luft und Wasser. Wir überschütten unseren Daunenzulieferer mit Fragen und erhalten detaillierte Auskünfte. Um die Angaben zu überprüfen, schicken wir unseren Spezialisten für ökologische Materialien zu einer Kontrolle einer Gänsefarm nach Ungarn. Er informiert sich darüber, wie die Gänse gehalten werden, welche Chemikalien der Betrieb verwendet und wie die Gänse geschlachtet werden. Unser Zulieferer versichert, dass die Daune nicht von zwangsgefütterten Gänsen stammt, was sich später als falsch herausstellt. Wir erfahren, dass ein Teil unserer Daune von Schlachtgänsen stammt und ein anderer während der Mauser gewonnen wird. Ein Professor für Agrarwissenschaften, den wir zurate ziehen, versichert uns, dass die Gewinnung von Daunen und Federn während der Mauser für die Gänse schmerzlos ist. Mit diesen Informationen ausgestattet, versuchen wir, die Auswirkungen der Produktion eines Patagonia Down Sweaters auf unserer Footprint Chronicles Website zu dokumentieren.

2009
Da wir inzwischen wissen, dass das Rupfen lebender Gänse für die Tiere schmerzhaft ist, verlangen wir von unserem Zulieferer die Gewähr, dass alle Daune für Patagonia-Produkte ausschließlich von geschlachteten Gänsen stammt und keinen Lebendrupf enthält. Man erklärt uns, dass die Daune zwangsgefütterter Gänse ölig und minderwertig sei und daher nicht an uns geliefert werde. Die Zwangsfütterung scheint unsere Produkte also nicht direkt zu betreffen.

2010
Im Dezember beschuldigt uns die deutsche Tierschutzorganisation Vier Pfoten, Lebendrupf-Daune zu verarbeiten, was wir zurückweisen. Doch während der Auseinandersetzung erfahren wir durch Ermittlungen der Tierschützer, dass die Graugänse in Ungarn, von wo wir unsere Daune beziehen, regelmäßig zwangsgefüttert werden, um Foie gras zu produzieren. Die Zwangsfütterung ist in vielen europäischen Ländern verboten, aber in Frankreich und Ungarn noch erlaubt.

2011
Wir wollten die Fakten vor Ort überprüfen und schickten unseren Direktor für Sozial- und Umweltverantwortung, unseren Direktor für Materialentwicklung und unseren Spezialisten für ökologische Materialien zu Nachforschungen nach Ungarn. Sie machen zwei Reisen: eine im Februar und eine im August, begleitet von führenden Vertretern unseres Daunenzulieferers. Die Gruppe besucht eine repräsentative Auswahl von Stationen der gesamten Lieferkette für weiße und graue Daune: von der Elterntierhaltung (die die Eier liefert), über Zuchtstationen bis zu Schlachthäusern und Daunenverarbeitern.

Die Zulieferer sind offen und hilfsbereit, doch was wir feststellen, gefällt uns gar nicht. Vier Pfoten hat in einem Punkt Recht: Wir verarbeiten Daune von Gänsen, die für die Erzeugung von Fleisch und Foie gras gehalten werden. Hingegen sind in den inspizierten Teilen der Lieferkette keine Anzeichen auf Lebendrupf erkennbar. Außerdem prüfen wir, ob die besuchten Schlachthöfe die Gänsefarmen vertraglich zum Verzicht auf Lebendrupf verpflichten, und darauf achten, dass sie keine lebend gerupften Vögel kaufen. Dies wird durch gelegentliche Kontrollen der Gänsefarmen bestätigt.

Dank der ungarischen Nahrungsmittelgesetze ist die Produktkette zwischen Gänsefarm und Schlachthaus gut dokumentiert und rückverfolgbar. Zwischen Schlachthaus und Daunenaufbereitung hingegen ist sie nicht immer so lückenlos. Um Daune aus Lebendrupf in unseren Produkten sicher ausschließen zu können, schaffen wir ein verbessertes System zur Dokumentation sowie zur Kennzeichnung und Trennung auf allen Stufen der Lieferkette bis hin zur Näherei.

Außerdem beginnen wir nach anderen Lieferketten zu suchen, in denen Lebendrupf und Zwangsfütterung verboten sind. Unser Team für Materialbeschaffung reist nach Polen, um potenzielle Daunenquellen zu ermitteln und wir akzeptieren einen Lieferanten (mit begrenzter Kapazität) für eine Auswahl unserer Modelle.

2012
Wir lassen unsere neue Lieferkette für weiße Gänsedaune in Polen durch ein unabhängiges Produktketten-Audit prüfen und stellen eine Expertin für Rückverfolgbarkeit ein, die gemeinsam mit der International Down and Feather League eine dreimonatige Untersuchung einleitet. Es geht uns darum, verschiedene Systeme zur Rückverfolgung zu bewerten und die Einhaltung der Tierschutzvorschriften zu prüfen. Beides ist eng verknüpft und gleichermaßen wichtig, um zuverlässige Angaben zu den Inhaltsstoffen eines Produkts machen zu können.

Im Laufe der drei Monate inspizieren die Prüfer sieben Tage lang ein Dutzend verschiedener Betriebe, darunter einen Hersteller von Daunenkleidung in China, eine US-Firma zur Aufbereitung der Daune sowie verschiedene weitere Verarbeiter, Schlachthäuser und Farmen (darunter eine Elterntierhaltung) und einen Brutbetrieb. Dabei vergleichen unsere Prüfer die Tierschutz-Praxis mit dem Patagonia Daunenstandard vom August 2012 und den Tierschutzgesetzen der EU und der einzelnen Staaten. Um die Zuverlässigkeit der Herkunftsnachweise zu prüfen, achtet unsere Expertin auf die Kriterien guter Rückverfolgbarkeit (Dokumentation, Kennzeichnung und Daunen-Trennung) und auf die Managementsysteme. Die Zuverlässigkeit des Systems prüft sie mit den bewährten Methoden für Lieferketten-Audits: Prüfung der Dokumente, Kontrollen vor Ort und Befragung der Mitarbeiter.

Für jede Phase und jedes Land erhalten wir Berichte. Neben der zusammenfassenden Beurteilung enthalten sie eine Analyse der Stärken und Schwächen des Rückverfolgungssystems sowie eine Bewertung der Tierschutz-Standards und der Verfahren zur Herkunftskontrolle. Ein Schlussbericht fasst alle einzelnen Inspektionen zusammen und erteilt eine abschließende, quantitative Bewertung für die Verfahren zur Herkunftssicherung und für Tierschutz/Lebendrupf/Zwangsfütterung.

Unseres Wissens hat kein anderes Unternehmen seine Lieferkette mit so viel Aufwand überprüft.

Januar 2013
Wir erhalten die Ergebnisse unseres Audits, die besagen, dass in unserer Lieferkette für weiße Gänsedaune „keine Anzeichen für Lebendrupf oder Zwangsfütterung“ erkennbar sind. Weiterhin bestätigt das Audit „eine zuverlässig rückverfolgbare Dokumentationskette, angemessene Kennzeichnung und Trennung mit Verbesserungsmöglichkeiten in einigen wenigen Bereichen.“ Um Rückverfolgbarkeit und Tierschutz in unserer Daunenlieferkette weiter zu optimieren, arbeiten wir an der Umsetzung aller Empfehlungen des Berichts. Zudem entwickeln wir ein Prüfverfahren für unsere Daunenlieferanten, das auf der Produktketten-Kontrolle und den daraus entstandenen Bewertungsinstrumenten basiert.

Patagonia hat sich bei Problemfällen stets um Verbesserungen in der Lieferkette bemüht und wir sind zuversichtlich, dass dies auch bei der Daune gelingen wird. In diesem Bestreben sind ab Frühjahr 2013 alle Produkte der Ultralight Down Kollektion mit weißer Gänsedaune gefüllt, die nach Prüfung durch einen unabhängigen Experten weder aus Lebendrupf noch von zwangsgefütterten Gänsen stammt. Dieses Angebot wollen wir jede Saison ausbauen und zugleich eine Daunen-Lieferkette mit Herkunftsnachweis (Traceable Down) auf Basis unserer Tierschutzvorschriften aufbauen.

Blick in die Zukunft
Wir entwickeln derzeit ein Prüfverfahren für unsere Daunenlieferanten, das auf der Produktketten-Kontrolle und den daraus entstandenen Bewertungsinstrumenten basiert. Weiterhin prüfen wir die Möglichkeit einer Anwendung des Textile Exchange’s Content Claim Standard, um unsere Herkunftskontrolle von der Stufe der "Verifizierung" auf die der "Zertifizierung" zu heben. Und wir vertiefen auch weiterhin unsere Kenntnisse der Lieferkette, um optimale Praktiken zu entwickeln und zuverlässige Herkunftsnachweise zu sichern.

Um unsere Daunenlieferketten flächendeckend zu verbessern, arbeiten wir zusammen mit anderen Firmen am Aufbau einer Vereinigung der Outdoor-Industrie und einer Textil-Arbeitsgruppe für Daunenprodukte, die zur Arbeitsgruppe für den Herkunftsnachweis von Materialien gehört. Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Marken und den Zulieferern zu fördern, um verbindliche Normen und Verfahren für den Herkunftsnachweis von Daune und die Rückverfolgbarkeit zu schaffen. Der Herkunftsnachweis macht die Angaben über die in den Produkten enthaltene Daune nachprüfbar – u.a. ob sie aus Lebendrupf oder Zwangsfütterung stammt.

In der Zwischenzeit gelten weiter die Maßnahmen, die Patagonia seinen Kunden im Frühjahr 2011 erstmals vorgestellt und im Dezember 2011 nochmals ergänzt hat. Für Veganer, die Lederschuhe und Daunenkleidung ablehnen, bietet Patagonia Alternativen ganz ohne tierische Produkte. Und da Gegner von Foie gras vielleicht auch die als Nebenprodukt anfallende, graue Daune meiden wollen, bieten wir als Alternative weiterhin hochwertige Kleidung mit synthetischer Isolierung. Wir danken Ihnen für Ihr Interesse. Mit fortschreitender Entwicklung werden wir diese Diskussion fortsetzen.