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Foto: Jeanne Carver
Die Imperial Stock Ranch in Wasco County, Oregon, ist einer von zwei neuen Woll-Lieferanten fuer Patagonia Socken. Foto: Jeanne Carver

Unser Neustart in Sachen Wolle

By Patagonia   |   Jul 26, 2016 July 26, 2016

In den letzten 10 Monaten haben wir unablässig am Aufbau einer neuen Lieferkette für Wolle gearbeitet, die strenge und überprüfbare Standards bei Tierschutz und Landnutzung erfüllt. Nun haben wir einige wichtige Etappenziele erreicht und wollen unsere Kunden darüber informieren, was schon geschafft und was noch zu leisten ist.

Zunächst einige Hintergrundinfos

2011 haben wir zusammen mit der Nature Conservancy und Ovis 21 ein Programm zur Produktion von Merinowolle gestartet, das durch nachhaltige Weidewirtschaft dazu beiträgt, seit langem geschädigtes Grasland zu regenerieren. Zugleich versprach es die Bewahrung der Schafzucht und damit einer bedrohten Lebensweise im argentinischen Teil Patagoniens.

Was die Regeneration von Weideflächen betrifft, war es damals das beste Programm, um Wolle zu erzeugen.. Es beinhaltete alles, was uns zu diesem Zeitpunkt in puncto artgerechter Tierhaltung wichtig erschien. Da es in Patagonien keine Schmeißfliegen gibt, blieb den Schafen eine schmerzhafte Mulesing-Prozedur erspart, sie hatten viel Platz und brauchten weder Hormone nochAntibiotika.

Obwohl wir 2014 begonnen hatten, im Rahmen der Textile Exchange einen Responsible Wool Standard zu entwickeln, hatte unsere eigene Lieferkette damals noch kein ganzheitliches Konzept für Weidemanagement und Tierschutz.

Wir waren bestürzt als wir die Bilder misshandelter Tiere sahen, die ein Mitarbeiter der Tierschutzorganisation PETA auf den Ranches gemacht hatte, von denen wir unsere Merinowolle bezogen. Zwar waren wir mit vielen Behauptungen dieserOrganisation und mit ihrem Stil der Berichterstattung nicht einverstanden, doch wir waren schockiert von den Videobildern, die Misshandlungen der Tiere und eine erschreckende Gefühllosigkeit gegenüber ihrem Leid zeigten.

Wir erklärten unseren Kunden daher, dass wir so lange gar keine Wolle mehr kaufen werden, bis eine artgerechte Haltung und eine regenerative Weidewirtschaft gesichert sind.

Wir sind froh über diese Umstrukturierung, da wir viel daraus gelernt haben. Der gesamte Prozess bot viele Parallelen zu unserem Umstieg von konventioneller auf biologische Baumwolle: die Konsultation von Tierschutz-Experten, die Kooperation mit artgerecht arbeitenden Tierhaltern in den USA, intensive Kontrollen vor Ort und eine genaue Analyse der praktischen Voraussetzungen für die Regeneration des Landes und eine tiergerechte Haltung. Gemeinsam mit den Arbeitern haben wir alle Möglichkeiten erörtert und die höchstmöglichen Standards für eine neue Lieferkette mit den bestmöglichen Partnern ausgearbeitet.

Die praktischen Probleme der Tierhaltung

Dieser Ort ist so gut wie jeder andere, um dieses heikle Thema zu diskutieren. Wolle ist, genau wie Daune, ein Nebenerzeugnis von Tieren, die letztlich wegen ihres Fleisches getötet und verkauft werden. Veganer, wie einige Patagonia-Mitarbeiter oder PETA-Aktivisten, lehnen jeglichen Gebrauchtierischer Produkte ab. Für alle anderen, die Fleisch produzieren und essen oder Kleidung aus Wolle, Daune oder Leder tragen ist die Fragekomplexer. Wir könnenalles versuchen, damit die Tiere vor der Schlachtung nicht leiden und bei der Schlachtung human behandelt werden. Aber es gibt noch viel zu tun, um einen dem 21. Jahrhundert angemessenen Standard für den ethischen Umgang mit Tieren zu entwickeln.

Im 20. Jahrhundert hat die westliche Gesellschaft Tiere zunehmend grausam behandelt: Massentierhaltung und Transporte in engen, schmutzigen Boxen, die massive Verabreichung von Hormonen und Antibiotika sowie Genmanipulationen, die Tiere ihrer Bewegungsfähigkeit oder eines würdigen Daseins berauben. Die Handlungen der Farmmitarbeiter, die wir auf dem Video von PETA gesehen haben sind sehr brutal, zwar mit weniger industrieller Grausamkeit – aber auch ihr Verhalten hat seine Wurzeln in unserer über die Jahrhunderte geprägten Einstellung gegenüber Tieren. Wie können wir das ändern?

Schritt 1: Tierschutz-Experten konsultieren

Um diese Frage zu klären haben wir zunächst einige Experten konsultiert, die ein Umdenken in Bezug auf die emotionalen und intellektuellen Kompetenzen von Tieren fordern und sich fragen, wie eine humane Behandlung von Tieren aussehen muss, die wir töten, um uns zu ernähren.

Wir haben uns direkt mit Vier-Pfoten, anderen Tierschutz-Organisationen und erfahrenen Fachleuten in Verbindung gesetzt. Außerdem haben wir Dr. Temple Grandin zu einem ganztägigen Gespräch in unsere Zentrale in Ventura eingeladen. Dort hat sie die Erfahrungen, die sie zeitlebens beim Einsatz für eine humane Behandlung von Tieren, die für den menschlichen Konsum gehalten werden gesammelt hat, mit uns geteilt.

Dabei wurde uns klar, dass drei Bereiche für das Wohlergehen der Schafe unserer Zulieferer eine entscheidende Rolle spielen:

  • Die Selbstverpflichtung der Rancher, denen das Land und die Schafe gehören;
  • die Schulung der Ranch-Arbeiter (die mit der richtigen Ausbildung eine große Verantwortung für die Gesundheit des Graslands und der Tiere übernehmen können); und
  • die Einführung klar definierter Richtlinien für Verstöße in kritischen Bereichen (die exakten Direktiven unseres Ansatzes für höchstmögliche Tierschutz-Standards) sowie regelmäßige Neubewertungen und Verbesserungen unserer Standards.

Schritt 2: Einen Patagonia-Standard für Tierschutz und Weidemanagement definieren

Über viele Monate hinweg haben wir einen neuen Patagonia Wool Standard erarbeitet, der unserer Meinung nach die weltweit strengsten Kriterien für Tierschutz und nachhaltige Weidewirtschaft aus mehreren wichtigen Quellen vereint.

Unser Standard umfasst strenge Richtlinien und Nachweispflichten in allen Schlüsselbereichen:

Tierschutz: Basis unseres Standards sind die Vorgaben des Responsible Wool Standard (RWS), wir gehen jedoch noch darüber hinaus:

  • Der Patagonia-Standard umfasst auch Vorschriften für Transport und Schlachtung außerhalb der Ranch, für die Schulung von Arbeitern bezüglich humaner Behandlung und zur Vemeidung von Verletzungen beim Scheren, über die Altersspannen für Kastration und Kupieren sowie über die regelmäßige Versorgung mit Futter und Wasser.
  • Auch bei der Durchführung von Audits gehen wir über die Grundlagen des RWS hinaus, indem wir dafür zwei Phasen vorschreiben: 1) beim Scheren, um die Praktiken kontrollieren und die Einhaltung des Standards sicherstellen zu können 2) beim Lammen, um Geburt, Kupieren und Kastrieren sowie alle damit verbundenen Risiken überwachen zu können. (Aufgrund des Feedbacks von Dr. Grandin und anderen Experten setzen wir uns dafür ein, dass diese zwei Phasen künftig auch in den RWS aufgenommen werden.)

Verantwortungsvolles Weidemanagement Unser Entwurf beinhaltet die starken Vorgaben des RWS, an deren Entwicklung Patagonia dank früherer Erfahrungen im Bereich regenerativer Weidewirtschaft maßgeblich beteiligt war. Diese Anforderungen gelten für Grasland und andere Lebensräume, in denen Schafe gehalten werden. Sie umfassen die Erhaltung der Artenvielfalt, die Bodenbewirtschaftung und den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln.

Qualität: Qualität war und bleibt einer der wichtigsten Punkte bei der Materialbeschaffung – und das gilt auch für Wolle. Unsere Qualitätsansprüche sind unabhängig vom Patagonia Woll-Standard und wir erwarten von unserer neuen Lieferkette Wolle gleicher und höherer Qualität.

Durch die Kombination dieser wichtigen Punkte haben wir einen sehr strikten Standard geschaffen, der wirksame Kontrollmaßnahmen umfasst. Verbunden mit einer guten Partnerschaft mit unseren Erzeugern gibt er uns die höchstmögliche Sicherheit, dass folgende Punkte für alle Schafe in unserer Lieferkette gewährleistet sind:

  • Ein humaner Tod – ob auf der Ranch geschlachtet oder außerhalb;
  • Akzeptable Transportzeiten sowie regelmäßige Versorgung mit Futter und Wasser;
  • Sorgfältige, humane Behandlung durch die Ranch-Arbeiter; u. a. beim Scheren;
  • Durchführung potentiell schmerzhafter Prozeduren ausschließlich unter strenger

Am Ende stammen 33 Einzelpunkte des Patagonia Wool Standard direkt von Dr. Grandin, die vor wenigen Monaten auch an einer Prüfung des fast fertigen Entwurfs beteiligt war. Zahlreiche weitere Punkte wurden bei einer Versammlung von Interessengruppen hinzugefügt oder verfeinert, an der Vier-Pfoten, unabhängige Auditoren, Rancher aus den USA und Neuseeland sowie weitere Fachleute und -oganisationen beteiligt waren.

Klicken Sie hier um zum Patagonia Wool-Standard zu gelangen.

Schritt 3: Partner wählen, die unsere Werte teilen

Als unser Standard für Tierschutz Gestalt annahm, suchten wir unter den Ranchern Partner – sowohl innerhalb der USA, als auch anderswo – die in Sachen Tierschutz ebenso erfahren und engagiert sind wie bei der Renaturierung des Landes. Dann folgten Audits, um alle RWS-Kriterien sowie unsere eigenen Anforderungen bezüglich Transport und Schlachtung außerhalb der Ranch zu überprüfen.

Wir sind eine Partnerschaft mit der Imperial Stock Ranch in Wasco County, Oregon, eingegangen, welche die neu definierten Kriterien erfüllt und uns gleichzeitig unterstützt hat, Lieferanten mit gleichen Werten ausfindig zu machen. Aus dieser Zusammenarbeit ergab sich die Partnerschaft mit der Red Pine Land and Livestock Company in Park City, Utah. Unabhängige Auditoren haben ihre Praktiken beim Scheren und Lammen geprüft und wir sind zuversichtlich, dass sie die strengen Vorschriften des Patagonia Wool-Standard erfüllen und hervorragende Partner sein werden.

Die beiden genannten, in den USA ansässigen Farmen werden Patagonia künftig mit Wolle für die Herstellung von Socken beliefern. Wir suchen noch weitere Partner, um den Bedarf für andere Produkte wie Merino-Funktionswäsche zu decken. Alle müssen zunächst ein umfassendes Prüfverfahren nach unseren neuen Anforderungen durchlaufen.

Wir halten Sie über unsere Fortschritte und die Verfügbarkeit erster Produkte nach diesem hohen Tierschutz- und Weidemanagement-Standard auf dem Laufenden.

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