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Firmengeschichte
Foto: Patagonia-Archiv

Firmengeschichte

Anfänge und Schmiedehandwerk
Yvon Chouinard, Gründer von Patagonia, startete seine Kletterkarriere im zarten Alter von 14 Jahren. Zu dieser Zeit war er Mitglied im Southern California Falconry Club, in dem Habichte und Falken für die Jagd abgerichtet wurden. Nachdem einer der Erwachsenen, Don Prentice, den Jungen beigebracht hatte, sich zu den Falkenhorsten an den Klippen abzuseilen, begeisterten sich Yvon und seine Freunde so sehr für diesen Sport, dass sie als „blinde Passagiere“ auf Güterzügen ins westliche Ende des San Fernando Valleys oder zu den Sandsteinfelsen von Stony Point fuhren. Dort lernten sie dann sowohl das Hinaufklettern als auch das Abseilen.

Chouinard verbrachte daraufhin seine Wochenenden im Winter in Stony Point und im Herbst sowie im Frühling in Tahquitz Rock oberhalb von Palm Springs. Dort traf er auf andere junge Kletterer, die Mitglieder im Sierra Club waren, unter ihnen TM Herbert, Royal Robbins und Tom Frost. Schließlich zog es die Freunde von Tahquitz ins Yosemite, wo sie sich selbst das Big-Wall-Klettern beibrachten.

Die einzigen Kletterhaken, die es zu dieser Zeit gab, waren aus weichem Eisen, die man einmal in den Felsen schlug und dann dort zurückließ. Im Yosemite allerdings erforderten die mehrtägigen Aufstiege Hunderte von Sicherungshaken. Nach einer Begegnung mit John Salathé, einem Schweizer Kletterer und neukirchlichen Klosterbruder, der aus Achsen älterer Ford A-Modelle bereits Sicherungshaken aus härterem Stahl fabriziert hatte, beschloss Chouinard, seine eigene wiederbenutzbare Hardware herzustellen. Im Jahre 1957 erwarb er auf einem Schrottplatz einen gebrauchten, kohlebefeuerten Schmiedeofen, einen über 60 kg schweren Amboss, einige Zangen und Hammer und brachte sich selbst das Schmieden bei.

Seine ersten Kletterhaken stellte Chouinard aus dem Schneideblatt eines alten Mähdreschers her und testete sie zusammen mit TM Herbert bei einer frühen Begehung des Lost Arrow Kamins und der Nordwand des Sentinel Rock im Yosemite. Dies sprach sich schnell herum und bald schon wollten Chouinards Freunde seine Haken aus Chrom-Molybdän-Stahl. Bevor er sich versah, war er im Geschäft. Er konnte zwei Haken pro Stunde schmieden und verkaufte sie je für 1,50 Dollar.

Bald darauf richtete Chouinard im Hinterhof seines Elternhauses in Burbank eine kleine Werkstatt ein. Da sich der Großteil seines Werkzeugs tragen ließ, lud er die nötigen Arbeitsgeräte einfach auf sein Auto und fuhr damit an die kalifornische Küste zwischen Big Sur und San Diego zum Surfen. Somit verband er bestens Arbeit und Vergnügen. Wenn er nicht gerade surfte, schleppte er seinen Amboss an den Strand und stellte mit Hammer und Metallmeißel Kletterhaken her.

In den darauf folgenden Jahren verbrachte Chouinard die Wintermonate mit dem Schmieden von Kletterhaken. Von April bis Juli hielt er sich zum Klettern im Yosemite auf. Um der dort vorherrschenden, großen Sommerhitze zu entkommen, verlagerte er dann seinen Standort nach Wyoming, Kanada oder in die Alpen. Erst im Herbst kehrte er wieder ins Yosemite zurück, wo er bis zum ersten Schneefall im November blieb. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, verkaufte er seine selbst hergestellte Hardware aus dem Kofferraum seines Autos heraus. Der Gewinn war allerdings sehr mager. Wochenlang musste er manchmal mit 50 Cent oder einem Dollar pro Tag über die Runden kommen. Als Vorrat an Verpflegung für einen Sommer in den Rocky Mountains kaufte er sich beispielsweise in einem Konserven-Outlet in San Franciso zwei Kisten verbeulte Thunfisch-Katzenfutterdosen. Diese „verfeinerte“ er dann mit Haferflocken, Kartoffeln, Eichhörnchen- und Stachelschweinfleisch.

Im Yosemite waren Chouinard und seine Freunde als die „Valley Cong“ bekannt. Nachdem sie dort die maximale Campingdauer von zwei Wochen überschritten hatten, mussten sie sich vor den Rangers in den Felsen oberhalb des Camp 4 verstecken. Sie fühlten sich wie Rebellen und waren stolz darauf, dass Fels- und Wasserfallklettern keinen wirtschaftlichen Wert hatte. Ihre Vorbilder waren Helden wie Muir, Thoreau, Emerson, Gaston Rebuffat, Ricardo Cassin und Hermann Buhl.